Ein Badezimmer ist nicht nur ein Raum für die tägliche Körperpflege. Für viele Menschen ist es längst ein Ort des Rückzugs, der Entspannung und des Wohlbefindens. Doch nicht jeder hat die Möglichkeit oder das Budget, eine komplette Badsanierung mit Abriss, Neuverlegung und hochpreisigen Ausstattungsgegenständen durchzuführen. Was also tun, wenn das Bad in die Jahre gekommen ist, die Fliesen altmodisch wirken oder die Sanitärkeramik nicht mehr dem aktuellen Geschmack entspricht – und das alles ohne viel Schmutz, Lärm, Zeitaufwand und Kosten zu verursachen?
In diesem umfassenden Ratgeber für das Handwerkermagazin HausBlatt.com zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihr Bad mit minimalem Aufwand und dennoch maximalem Effekt renovieren können. Wir gehen verschiedene Bereiche und Techniken durch, geben praxisnahe Tipps und stellen Vorher-Nachher-Beispiele vor.
Renovierungswillige Hausbesitzer glauben häufig, dass sie für eine Badsanierung den kompletten Raum auf den Kopf stellen müssen: Fliesen runter, neue Wasserleitungen, Mauern einreißen und so weiter. Dabei ist oft gar nicht so viel nötig, um ein altes Bad „aufzuhübschen“ und den Nutzwert zu steigern.
Gründe, die für eine Teil- oder Oberflächen-Renovierung sprechen:
Was Sie dabei beachten müssen, welche Möglichkeiten es gibt und wie auch bei Minimalmaßnahmen ein großer Vorher-Nachher-Effekt entsteht, zeigen wir in den folgenden Kapiteln.
Bevor Sie loslegen, sollten Sie eine gründliche „Bestandsaufnahme“ Ihres Badezimmers vornehmen. Nur so können Sie entscheiden, ob sich beispielsweise das Lackieren alter Fliesen lohnt oder ob stattdessen Fliese auf Fliese verlegt werden soll. Auch eventuelle Schäden an Rohren oder elektrischem Anschluss sollten Sie dabei entdecken.
Stellen Sie sich dabei folgende Fragen:
Werden die Antworten klar, kann man abwägen: Welche Maßnahmen bringen am meisten und sind gleichzeitig schnell und kostengünstig umsetzbar?
Gerade die Fliesen an Wand und Boden prägen das Erscheinungsbild eines Badezimmers maßgeblich. Stark gemusterte oder farblich unzeitgemäße Kacheln aus den 70er-Jahren bringen manch einen Badbesitzer zum Verzweifeln. Doch bevor Sie mit Hammer und Meißel der alten Fliesen Herr werden und den daraus entstehenden Schutt entsorgen, bedenken Sie, dass es auch andere, schnellere Lösungen gibt.
Eine sehr unkomplizierte Methode besteht darin, die alten Fliesen zu streichen oder mit selbstklebender Fliesenfolie zu überziehen. Fliesenlack ist in Baumärkten in verschiedenen Farben (matt oder glänzend) erhältlich. Er wird in mehreren Schichten auf die gereinigten Fliesenflächen aufgetragen, anschließend versiegelt. Damit lässt sich innerhalb weniger Stunden ein völlig neues Farbkonzept verwirklichen, ohne dass Lärm oder Staub entsteht.
Auch Fliesenfolien funktionieren ähnlich, jedoch muss man dafür jede Fliese einzeln mit einer passgenauen Folie bekleben. Bei großformatigen Fliesen kann das recht schnell gehen, bei Kleinstformaten (z. B. 10 × 10 cm) kann es dagegen mühsam werden.
Folgender Tipp aus der Praxis: Fliesenlack ist eine dauerhaftere Lösung als Folie, da Folien bei hoher Beanspruchung (z. B. in der Dusche) eher abzulösen beginnen können. Allerdings ist Lack empflindlicher gegen Schläge. Achten Sie unbedingt auf die Herstellerangaben zur Anwendung im Spritzwasserbereich.
Wer der Ansicht ist, dass Fliesenlack oder Folie nicht zu seinem Geschmack passt, kann auch direkt auf den alten Fliesenbelag neue Fliesen verlegen. Das spart das Abschlagen der alten Fliesen und die anschließende Entsorgung.
Der wichtigste Punkt dabei ist die Haftung auf dem Untergrund. Die alten Fliesen müssen fest sitzen und gründlich gereinigt sein, damit die Haftgrundierung für die neue Fliesenschicht aufgetragen werden kann. Anschließend kann man relativ dünne Fliesen (z. B. Feinsteinzeug) wählen, damit der Aufbau nicht zu hoch wird.
Vorteil: Sie gewinnen im Handumdrehen ein neues Fliesenbild. Nachteil: Die Raummaße verändern sich minimal, Türblätter müssen ggf. gekürzt und Anschlüsse angepasst werden.
Eine weitere Möglichkeit, um Wände ohne großen Aufwand zu verschönern, sind Wandpaneele aus Aluminium-Verbund oder wasserfestem HPL. Die Paneele werden großflächig vor die alte Fliesenfläche montiert, z. B. mit einem Schienensystem oder Kleber. Es entsteht eine nahezu fugenlose, wasserdichte Oberfläche, die schnell zu reinigen ist und moderne Designs ermöglicht.
Diese Paneelsysteme kosten zwar etwas mehr als einfache Fliesen, sind aber optisch meist sehr hochwertig und erfordern kaum Schmutz. Gerade im Duschbereich sind sie ein beliebtes Update: Anstelle altbackener Fliesen sieht man nun eine pflegeleichte, glatte Fläche in Betonoptik, Marmoroptik oder Uni-Farben.
Manchmal sind es gar nicht die Fliesen, sondern die veralteten Sanitärobjekte, die ein Bad langweilig erscheinen lassen. Eine braune Keramik-Toilette aus den 80ern oder ein klobiges Stand-WC mit sichtbarem Spülkasten lassen sich oft ohne großen Aufwand durch moderne Varianten ersetzen.
Das Waschbecken ist meist das am häufigsten genutzte Element im Bad. Ein moderner Waschtisch mit Unterschrank verleiht dem Raum sofort einen frischen Look und zusätzlichen Stauraum. Der Austausch ist meist unkompliziert, sofern die Anschlusshöhen passen.
Achten Sie darauf, dass Sie das nötige Fachwissen oder zumindest eine fundierte Anleitung zur Montage eines neuen Waschbeckens haben. Die alten Anschlüsse und Eckventile sollten noch intakt sein, die Wandkonstruktion muss das Gewicht eines neuen Waschtischs halten können.
Ein Tiefspül-WC mit Spülkasten an der Wand wirkt moderner als die klassischen Stand-WCs. Der Wechsel ist auch bei kleineren Budgets oft machbar. Man sollte allerdings klären, ob sich die vorhandenen Abflussleitungen für ein wandhängendes WC eignen. Wenn die Abfluss-Rohrposition nicht passt, bleibt eventuell nur das Stand-WC.
Tipp: Moderne Spülkästen sind wassersparender und lassen sich leichter reinigen. Auch spülrandlose WCs sind inzwischen Standard in zeitgemäßen Bädern.
Wer nicht gleich die ganze Duschwanne austauschen will, kann auch mit einer neuen Duschabtrennung oder Glaswand viel erreichen. Ebenso macht ein Austausch einer älteren Plastik-Duschwanne gegen eine flachere Variante aus Sanitäracryl oder Emaille das Bad viel zeitgemäßer.
Für Badewannen existieren inzwischen Wannen-in-Wanne-Systeme, bei denen eine neue Wanne einfach in die alte eingesetzt wird. Das spart das Herausstemmen der alten Wanne und vermeidet Beschädigungen am Fliesenbelag. So lässt sich das Design und ggf. auch die Farbe der Wanne auffrischen.
Auch wenn wir uns hier auf Renovierungsarbeiten ohne große Eingriffe beschränken, sollten Elektrik und Heizung nicht ganz vernachlässigt werden. Gerade im Badezimmer gelten strenge Sicherheitsvorschriften, etwa was den Einsatz von Steckdosen, Lampen oder Heizkörpern in bestimmten „Schutzzonen“ angeht.
Wer lediglich die Beleuchtung austauschen oder einen Handtuchheizkörper nachrüsten möchte, kann das in vielen Fällen unkompliziert realisieren. Achten Sie aber darauf, dass Elektroinstallationen in Feuchträumen von einem Fachmann geprüft werden.
Eine Handtuchheizung kann das Bad aufwerten und bietet zugleich praktischen Nutzen. Wenn ein alter Heizkörper ohnehin ersetzt werden muss, ist das eine sinnvolle Investition.
Neben technischen Updates kann man ein Badezimmer auch mit einfachen Mitteln optisch aufmöbeln. Hier sind keine Abrissarbeiten nötig, sondern nur ein Hauch von Kreativität.
Um ein Projekt „Badrenovierung ohne großen Aufwand“ geordnet anzugehen, empfiehlt sich eine Vorgehensweise in Etappen:
Mit dieser Struktur vermeiden Sie, dass Sie sich in unnötigen Details verlieren oder impulsiv halbe Lösungen angehen.
Um zu verdeutlichen, dass sich schon in wenigen Tagen viel erreichen lässt, hier ein fiktives, aber realitätsnahes Beispiel:
Nach fünf Tagen ist das Bad wieder nutzbar, mit frisch lackierten Wänden, einem gemütlichen Boden, moderner Keramik und einem leuchtenden Spiegelschrank. Die Kosten halten sich im Rahmen von 2.500–3.000 Euro, je nach Produktqualität und ggf. Handwerker-Unterstützung.
Auch bei kleinen Badrenovierungen gibt es Stolperfallen. Ein paar Beispiele aus der Praxis:
Wer auf Qualität und fachgerechte Verarbeitung achtet, vermeidet den Großteil dieser Fallstricke. Bei Unsicherheit lohnt es sich, einen Fachhandwerker zumindest beratend hinzuzuziehen.
Damit sich die Renovierung dauerhaft lohnt, sollte man sein „neues“ Bad pflegen.
Eine gute Belüftung ist im Badezimmer entscheidend, um Feuchtigkeitsprobleme und Schimmelbildung zu minimieren. Wer ein fensterloses Bad hat, sollte auf eine funktionierende Lüftungsanlage achten.
Frage: Lohnt es sich, in ein altes Bad Geld zu stecken, wenn eine Komplettsanierung in ein paar Jahren eh ansteht?
Antwort: Ja, wenn Sie bis zur Komplettsanierung noch ein paar Jahre warten müssen und sich in Ihrem aktuellen Bad unwohl fühlen, können kleinere Modernisierungen das Wohngefühl deutlich verbessern – bei überschaubaren Kosten.
Frage: Kann ich bei einer Teilsanierung die alten Leitungen einfach drin lassen?
Antwort: Das kommt auf den Zustand der Leitungen an. Wenn keine akuten Mängel vorliegen (wie Rost, Lecks, Druckprobleme), spricht nichts dagegen, sie weiter zu nutzen. Bei Verdacht auf Schäden sollte ein Sanitärfachmann prüfen.
Frage: Wie robust ist Fliesenlack im Alltag, z. B. gegen Kratzer?
Antwort: Fliesenlack ist heutzutage recht widerstandsfähig, vor allem wenn er in mehreren Schichten plus Versiegelung aufgetragen wird. Dennoch ist er empfindlicher als eine echte Glasur. Harte Schläge, z. B. durch herabfallende Metallgegenstände, können Abplatzungen verursachen.
Frage: Kann ich „Fliese auf Fliese“ auch im Duschbereich machen, oder ist das problematisch mit der Abdichtung?
Antwort: Untergrund und Abdichtung müssen sorgfältig ausgeführt werden. Grundsätzlich ist „Fliese auf Fliese“ im Nassbereich möglich, wenn die alten Fliesen fest sitzen, die Fugen dicht sind und eine geeignete Dichtschicht oder Flächenabdichtung darüber aufgetragen wird. Man sollte jedoch genau auf mögliche Hohlräume achten.
Ein Badezimmer zu renovieren, ohne gleich den ganzen Raum komplett zu sanieren, ist oft eine pragmatische und wirtschaftlich sinnvolle Lösung. Mit cleveren Maßnahmen wie dem Lackieren oder Überfliesen alter Kacheln, dem Austausch einzelner Sanitärgegenstände oder der Aufwertung durch Paneele, Vinylböden oder neue Accessoires kann ein veraltetes Badezimmer in kurzer Zeit und mit überschaubarem Budget in neuem Glanz erstrahlen.
Wichtig sind eine realistische Planung, saubere Vorarbeiten und die Bereitschaft, sich an Herstellerangaben (z. B. für Fliesenlack, Kleber oder Silikon) zu halten. Wer diese Punkte beachtet, erhält schon binnen weniger Tage ein Bad, das optisch und funktional aufgewertet ist – und das ohne Lärm, Schuttberge oder wochenlange Ausfallzeiten.
Gerade für Mieter, junge Familien oder alle, die lediglich eine Zwischenlösung für einige Jahre suchen, sind solche schnellen Renovierungsmaßnahmen eine ideale Option. Und selbst wer plant, irgendwann auf ein barrierefreies Bad oder eine Komplettsanierung umzusteigen, profitiert in der Zwischenzeit von einem Raum, in dem das Duschen oder Baden wieder Freude macht.
Ob Fliesenlack, neue Duschkabine oder frische Silikonfugen – probieren Sie es aus und entdecken Sie, wie schon kleine Schritte große Wirkung haben können. Das Bad ist ein Raum, den wir täglich nutzen, also lohnt sich jeder Handgriff, um ihn einladender und angenehmer zu gestalten.
Redaktion
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