
Auf den ersten Blick wirken Sockelleisten eher unscheinbar. Doch im Wohnbau kommen ihnen mehrere wichtige technische und gestalterische Funktionen zu. Sie schützen Bauteile, schließen Fugen, erleichtern die Reinigung und sorgen für ein gutes Raumbild, das sich erst im Zusammenspiel von Boden, Wand und ihren Details entfaltet.
Die Sockelleiste bildet den konstruktiven und optischen Übergang zwischen Fußbodenbelag und Wand. Bei schwimmend verlegten Fußbodenbelägen wie Laminat, Parkett oder vielen Designböden ist eine Dehnungsfuge notwendig, damit sich bei Temperatur- und Feuchtigkeitsänderungen die Böden entsprechend ausdehnen und zusammenziehen können. Diese Fuge bleibt absichtlich offen, wird aber durch die Sockelleiste verdeckt, so dass die unregelmäßigen Schnittkanten, die Spalten und Schattenfuge nicht mehr zu sehen sind. Ohne Fußleisten von Leistenhammer oder anderen Anbietern würden Staub, Schmutz und Reinigungswasser viel leichter in die Fuge eindringen und dort zu unschönen Verfärbungen oder Quellungen führen. Würde der Küchenboden bis zur Wand hochgeführt, entstünde ein unruhiger Wandfluss, der das Bild des Raumes stört, auch wenn Boden und Wände sonst schön ausgeführt sind.
Im Wohnalltag sind die Wandunterkanten mechanischen Schlägen ausgesetzt. Staubsauger, Saugroboter, Stühle, Spielzeug, Schuhwerk – alles trifft dort genau auf die Fläche, wo Putz und Anstrich sonst leiden. Sockelleisten fangen Schläge ab und vermindern Abplatzungen und Kratzer. Sie helfen, die Intervalle zu verlängern, in denen die Wände nachgearbeitet oder neu gestrichen werden müssen.
Eine Schutzfunktion bietet die Sockelleiste auch beim Umgang mit Reinigungswasser.
Beim Wischen oder Nassreinigen lässt es sich nie ganz vermeiden, dass auch etwas Wasser am Randbereich des Bodens zu stehen kommt. Die Leiste verhindert, dass in nennenswertem Umfang etwas von dem Wasser in die Fuge zwischen Bodenbelag und Wand eindringt und dort im Aufbau stehen bleibt. Gerade bei Holz- und Holzwerkstoffböden vermindert dies die Gefahr des Aufquellens und Sichtbarwerdens von Kantenverformungen.
Sockelleisten stehen heute in einer Vielzahl von Materialien zur Verfügung, die sich in Formbeständigkeit, Feuchteverhalten, Bearbeitungsmöglichkeiten und ihrer optischen Wirkung unterscheiden. Massivholzleisten aus Eiche, Buche, Kiefer sind z. B. sehr robust und können je nach ihrer Oberfläche geölt, gewachst oder lackiert werden. So lassen sie sich auch gut auf bestehende Türen, Fensterrahmen oder Möbel angleichen.
MDF-Leisten auf Basis mitteldichter Faserplatten bieten eine gleichmäßige glatte Oberfläche, die sich gut beschichten lässt. Sie werden häufig weiß foliert oder lackiert und sind in vielen Profilformen erhältlich, vom schlichten Rechteck bis zum stark profilierten Stufen- oder Kantenprofil. Profilierte Formen setzen bewusst einen gestalterischen Akzent und orientieren sich an historischen Vorbildern des Innenausbaus.
In Feuchträumen oder stärker beanspruchten Bereichen kommen neben den klassischen Materialien auch Kunststoff- oder Aluminiumleisten zum Einsatz. Diese Leisten sind weniger feuchtigkeitsanfällig, können bündig mit Fliesen verlegt und bei Bedarf mit Silikonfugen versehen werden, ohne sich allzu sehr in den Vordergrund zu drängen. Die Materialwahl richtet sich also nach Raumfunktion, Beanspruchung und gewünschter Ausdruckskraft.
Für den Feuchteschutz kommt dem Randbereich zwischen Boden und Wandbaukörper eine nicht unerhebliche Bedeutung zu. Die Regelungen über die Abdichtung von Innenräumen mit Wasserbeanspruchung, z. B. Bädern und Duschen sind in der DIN 18534 zusammengefasst. Sie beschreiben die Beanspruchungsklassen und stellen Anforderungen an die Abdichtungsebenen und Fugen.
Sockelleisten erstatten diese Abdichtungen nicht, sondern fügen sich in den sichtbaren Abschluss ein. In Feuchträumen werden Boden und Wandflächen in der Regel durch Dichtschlämmen, Verbundabdichtungen und aufgekantete Abdichtungsschichten bis in den Randbereich hin geschützt. Die Sockelleiste verdeckt dann die Anschlusszone und kann mit einer elastischen Fuge kombiniert werden, damit die Bewegungen des Bodenbelags aufgenommen und die Abdichtungsebene nicht beschädigt wird. Damit die Fuge funktionsfähig bleibt, kommen in vielen Bädern und Duschen dauerelastische Dichtstoffe wie Silikon zum Einsatz.
Neben Schutz- und Abdichtungsfunktion haben Sockelleisten auch nützliche Vorteile. Kabelsockelleisten bieten die Möglichkeit, Leitungen für Mediengeräte, Netzwerke und Lautsprecher verdeckt hinter der Sockelleiste zu führen, was die Anzahl der sichtbaren Kabel reduziert und Stolperstellen vermeidet. Kabelkanäle können dabei hinter einer abnehmbaren Abdeckung oder in einem Hohlraum der Leiste untergebracht werden, so dass keine zusätzlichen Kabelkanäle an der Wand montiert werden müssen.
Formbare oder etwas weichere Leistenprofile können kleinere Unebenheiten des Untergrundes ausgleichen, während starre Profile eine aufwendigere Untergrundvorbereitung verlangen. Gehrungsschnitte an Innen- und Außenecken, passende Endkappen und Übergangsstücke verhindern offene Kanten und sorgen für einen harmonischeren Verlauf der Leisten.
Eine größere Wirkung auf die Proportionen eines Raumes als man denken sollte, besitzt die Sockelleiste trotz ihrer geringen Breite. Hohe, profilierte Leisten lassen Decken niedriger erscheinen und werden oft in Altbauten und im klassischen Einrichtungsstil verwendet. Schmale, zurückhaltende Leisten schaffen einen reduzierten Gesamteindruck und lassen die Wände höher erscheinen. Farbig lassen sich Sockelleisten an den Boden, an die Wand oder an Bauteile wie Türzargen anpassen. Weiße Leisten geben einen klaren Rahmen zwischen dunklem Boden und farbiger Wand, holzfarbene Leisten erzeugen eine ruhige Fläche. Im modernen Bad werden auch bündig in die Fliesen eingehobene Metallleisten verwendet, die nur einen geringen Schattenwurf besitzen und damit den fast fugenlosen Übergang Wand-Boden betonen.
So verbinden Sockelleisten technische Anforderungen mit gestalterischen Entscheidungen und wirken damit sowohl qualitätsverbessernd als auch gestalterisch auf jeden Innenraum. Wer Material, Profilhöhe, Befestigungsart und Abdichtung richtig wählt und in sein Gesamt- und Feuchteschutzkonzept einarbeitet, nutzt dieses Bauteil weit über die Abdeckung der Dehnungsfuge hinaus.
Redaktion
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