Das Verfugen von Fliesen ist der letzte, entscheidende Arbeitsschritt beim Fliesenlegen. Erst durch die richtigen Fugen erhalten Wände und Böden nicht nur ihr fertiges Aussehen, sondern auch Schutz vor Feuchtigkeit und Stabilität. In diesem Ratgeber zeigen wir praxisnah und fundiert, worauf es beim Fliesen verfugen ankommt. Sie erfahren die Bedeutung und Funktion der Fuge, lernen die Unterschiede zwischen Fugenmörtel-Typen kennen und bekommen eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung – inklusive Tipps zur Anwendung von Silikonfugen, zur Vermeidung typischer Fehler und zur Reinigung sowie Pflege für langfristig schöne Fugen.
Fugen sind viel mehr als nur Abstände zwischen Fliesen – sie erfüllen mehrere wichtige Aufgaben. Technisch dienen Fliesenfugen dazu, Maßtoleranzen der Fliesen auszugleichen. Selbst hochwertige Fliesen unterliegen minimalen Größenunterschieden in der Produktion. Durch eine Fuge können diese Unterschiede kaschiert werden, sodass ein gleichmäßiges Verlegebild entsteht. Außerdem verhindern Fugen Spannungen: Bei Temperaturänderungen oder leichten Bewegungen im Untergrund können Fliesen ohne Fuge leicht reißen. Die Fuge wirkt hier als Puffer und nimmt Dehnungen und Schwingungen bis zu einem gewissen Grad auf.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist der Schutz vor Feuchtigkeit und Schmutz. Erst die verschlossene Fuge sorgt dafür, dass kein Wasser oder Schmutz unter die Fliesen gelangen kann. In Badezimmern und anderen Feuchträumen bilden korrekt verfugte Fliesen eine wasserabweisende Oberfläche, die den Untergrund (z.B. den Fliesenkleber, Estrich oder die Wand) vor Durchfeuchtung schützt
Ohne Fugenmasse würden sich die offenen Spalten zwischen den Fliesen mit der Zeit zu Sammelstellen für Bakterien, Schmutz und Schadstoffe entwickeln. Aus hygienischer Sicht sind geschlossene Fugen also unerlässlich.
Nicht zuletzt haben Fugen auch eine ästhetische Funktion. Die Fugenbreite und Fugenfarbe beeinflussen das Erscheinungsbild einer gefliesten Fläche maßgeblich. Schmale, farblich angepasste Fugen lassen eine Fläche ruhiger und einheitlicher wirken, während kontrastreiche oder breite Fugen die Geometrie der Fliesen betonen und dem Raum Charakter geben.
Bei modernen, rektifizierten (kantengeschliffenen) Fliesen sind heute sehr schmale Fugen von 1–2 mm möglich, was ein nahezu fugenloses Aussehen ergibt. Klassische Fugenbreiten liegen je nach Fliesenformat meist zwischen 2 und 8 mm, in rustikalen Bereichen oder bei Naturstein können auch bis zu ~15 mm erforderlich sein.
Wichtig ist: Komplett fugenlos Fliesen zu verlegen ist weder ratsam noch nach DIN zulässig, da dann die genannten technischen und hygienischen Funktionen fehlen würden.
Fugenmörtel ist nicht gleich Fugenmörtel. Je nach Untergrund, Fliesenart und Beanspruchung kommen verschiedene Fugenmörtel-Typen zum Einsatz. Grundsätzlich versteht man darunter die mineralischen Fugenmassen, mit denen die Zwischenräume (geschlossene Fugen) verfüllt werden. Daneben gibt es elastische Fugenmaterialien wie Silikon oder Acryl für Bewegungsfugen – dazu später mehr. Hier ein Überblick über die gängigen Fugenmörtel-Typen und ihre Eigenschaften:
Fugenmörtel-Typ | Eigenschaften und Zusammensetzung | Typische Verwendung und Besonderheiten |
---|---|---|
Zementfuge (Standard) | Klassischer zementgebundener Fugenmörtel aus Zement, Sand/Feinfüllern und Farbpigmenten. Ohne Kunststoffzusätze. Eigenschaften: robust, lässt sich leicht verarbeiten; nimmt etwas Feuchtigkeit auf (daher im Nassbereich oft nachträgliche Imprägnierung empfohlen). | Universell für Wand- und Bodenfliesen im Innenbereich. Gängiger Standard z.B. bei Keramikfliesen in Wohnräumen. In vielen Farbtönen erhältlich. |
Flexfuge (kunststoffvergütet) | Zementfugenmörtel mit Polymerzusätzen (Kunststoff). Eigenschaften: höhere Flexibilität und Haftung an den Fliesenrändern, meist wasserabweisender (hydrophobiert) und abriebfester. | Für höhere Beanspruchung: z.B. Böden mit leichter Schwingung oder Fußbodenheizung, Holzuntergründe, Terrassen (frostbeständig), großformatige Fliesen. Allgemein empfehlenswert, da weniger rissanfällig und oft schmutzabweisender. |
Schnellfuge | Spezial-Zementfuge mit Schnellzement als Bindemittel. Eigenschaften: sehr rasches Abbinden (teils innerhalb Stunden), früh belastbar; ebenfalls meist wasserabweisend und frostfest. | Wenn es schnell gehen muss, z.B. in gewerblichen Bereichen, oder bei Fliesen, die kaum saugen (Feinsteinzeug). Ermöglicht frühe Nutzung der Fläche. Verarbeitung erfordert zügiges Arbeiten wegen kurzer Offenzeiten. |
Epoxidharzfuge | Zweikomponentiger Reaktionsharz-Fugenmörtel auf Epoxidharzbasis (Harz + Härter, mit Mineral-Füllstoffen und Farbpigmenten). Eigenschaften: nach Aushärtung völlig wasserundurchlässig, chemikalienbeständig und sehr hart. Nimmt keinerlei Wasser auf ist fleckenresistent und langlebig. Allerdings höherer Preis und schwieriger in der Verarbeitung (klebriger, erfordert gründliches Abwaschen der Reste, Schutzausrüstung ratsam). | Nass- und Hygienebereiche mit hoher Beanspruchung: z.B. Duschen, Schwimmbäder, Großküchen, Labore. Auch bei verfärbungsanfälligen Natursteinen beliebt, da keine Wasseraufnahme = kein Ausblühen. Im privaten Bereich seltener, aber z.B. für bodengleiche Duschen ideal, da absolut dicht. |
Silikonfuge (elastisch) | Einkomponentiger Dichtstoff auf Silikonbasis, härtet elastisch aus (Essig- oder neutralvernetzend). Eigenschaften: hochelastisch, wasserfest, schimmelresistente Varianten verfügbar; haftet an Fliesen und Randbereichen. Nicht zementär, gehört daher nicht zu „Fugenmörtel“ im engeren Sinne, ergänzt aber das Fugenbild. | Dehnungs- und Anschlussfugen: überall dort, wo Bewegungen größer sind als mineralische Fugen aufnehmen können (z.B. Übergang Wand/Boden, Ecken von Räumen, Anschluss an Wanne oder Fenster). Auch im Außenbereich für Bewegungsfugen. Wird nicht porös bei Feuchte, bleibt flexibel, muss aber nach Jahren ggf. erneuert werden (Alterung, Schimmel). |
Acrylfuge (nur Randbereiche) | Dichtmasse auf Acrylat-Basis, überstreichbar, weniger elastisch als Silikon. | Wird hier der Vollständigkeit halber genannt: v.a. für Anschlussfugen im Trockenbau oder zum Auffüllen kleiner Risse an Wänden. Nicht so dehnfähig und wasserbeständig wie Silikon, im Nassbereich ungeeignet. |
Hinweis: Innerhalb der zementären Fugenmassen gibt es weitere Unterscheidungen, z.B. spezielle Naturstein-Fugenmörtel (meist auf Trasszement-Basis), die Verfärbungen bei Natursteinplatten verhindern. Auch farbige Fugenmörtel sind erhältlich, um gestalterische Akzente zu setzen. Wichtig ist immer, Fugenmörtel passend zur Fugenbreite und zum Untergrund zu wählen. Auf jeder Packung ist angegeben, für welche Fugenbreite das Produkt geeignet ist – wird diese überschritten, drohen Risse beim Trocknen. Außerdem gibt es für Untergründe mit Bewegungsgefahr (Holz, Gipskarton) sogenannte Flexfugenmassen, während auf absolut festen Untergründen (Beton, Mauerwerk) ein Standard-Fugenmörtel ausreicht.
Bevor die eigentliche Verfugungsarbeit beginnen kann, ist gründliche Vorbereitung das A und O. Zunächst muss der Fliesenkleber vollständig ausgehärtet sein. Frisch verlegte Fliesen dürfen frühestens nach etwa 12 Stunden, besser 24 Stunden, verfugt werden. Andernfalls könnten sich die Fliesen noch bewegen oder Feuchtigkeit aus dem Kleber die Fugenmasse schwächen. Über Nacht zu warten, bevor man verfugt, ist eine gute Faustregel.
Danach steht Reinigen und Kontrollieren auf dem Programm. Entfernen Sie alle Fliesenkeile oder Abstandshalter aus den Fugen. Die Fugenräume müssen sauber, trocken und frei von Rückständen sein.
Überreste von Fliesenkleber, Staub oder Schmutzpartikel würden die Haftung des Fugenmörtels beeinträchtigen. Am besten kehren und saugen Sie die Fläche gründlich ab. Auch Fettrückstände oder andere Verunreinigungen auf den Fliesen sollten beseitigt werden, damit die Fugenmasse später nicht kontaminiert wird. Tipp: Wenn Fliesenkleber in einzelnen Fugen hochgedrückt wurde, kratzen Sie diese Stellen vorsichtig mit einem Fugenkratzer oder Schraubendreher aus, bis die volle Fugentiefe frei ist. Die Fuge sollte über die gesamte Tiefe verfüllt werden können.
Prüfen Sie auch, ob alle Fliesen fest sitzen und keine hohlen Stellen haben – loses Material darf nicht verfugt werden. Falls es Übergänge gibt (z.B. Wand-Ecken, Boden-Wand-Anschlüsse) oder besonders lange Strecken, an denen eine Dehnungsfuge geplant ist, lassen Sie diese Fugen zunächst leer. Hier kommt später Silikon hinein statt Fugenmörtel.
Bevor es losgeht, legen Sie sich alle benötigten Materialien und Werkzeuge bereit. So vermeiden Sie Unterbrechungen während des Verfugens, denn einige Schritte müssen zügig nacheinander erfolgen. Eine gute Vorbereitung erleichtert die Arbeit erheblich.
Für das Verfugen von Fliesen benötigen Sie im Wesentlichen folgendes Material und Werkzeug:
Material / Werkzeug | Zweck und Verwendung |
---|---|
Fugenmörtel (passend ausgewählt) | Zum Verfüllen der Fugenräume zwischen den Fliesen. Wählen Sie den richtigen Typ (z.B. Flexfuge für Boden mit Fußbodenheizung). |
Wasser (sauber) | Zum Anmischen der Fugenmasse und zum Auswaschen der Schwämme. |
Eimer und Rührgefäß | Behältnisse zum Anmischen der Fugenmasse. |
Rührwerk (Bohrmaschine mit Quirl oder Handrührer) | Zum klumpenfreien Anrühren des Fugenmörtels. Alternativ kleinerer Mörtel mit dem Spachtel von Hand rühren (für kleine Mengen). |
Gummifugbrett / Fugengummi (Gummiwischer) | Zum Auftragen und Einpressen der Fugenmasse in die Fugen. Ein Fugenbrett ist ein flaches Brett mit Gummischicht, ein Fugengummi ähnelt einem harten Schwammbrett aus Gummi. |
Fugenspachtel / Gummirakel | Ebenfalls um Fugenmasse einzubringen, v.a. in Ecken oder schmalen Bereichen. |
Schwammbrett (mit Schwamm) oder Schwamm | Zum Abwaschen der überschüssigen Fugenmasse von den Fliesen. Ein Schwammbrett ist ein großer Schwamm mit Haltebrett, ideal für größere Flächen. |
Wassereimer (zweiter Eimer) | Mit klarem Wasser zum regelmäßigen Auswaschen des Schwamms beim Reinigen der Fliesen. Wichtig: öfter das Wasser wechseln, um Schlieren zu vermeiden. |
Fusselfreie Tücher | Zum Nachpolieren der Fliesen und Entfernen des letzten Zementschleiers nach dem Verfugen. |
Silikonkartusche + Kartuschenpistole | (Falls benötigt) Für elastische Fugen in Ecken/Anschlüssen. Kommt nach dem Aushärten der zementären Fugen zum Einsatz. |
Malerkrepp (Abklebeband) | (Für Silikonfugen) Um Ränder sauber abzukleben und überschüssiges Silikon aufzufangen, damit glatte Kanten entstehen. |
Glättmittel und Fugenglätter (Fugenfix, Fugenglättspachtel) | (Für Silikonfugen) Eine Seifenlösung oder spezielles Glättmittel, plus ein Abziehwerkzeug oder abgerundeter Spachtel zum Glätten der frischen Silikonfuge. |
Überprüfen Sie, ob alles vorhanden ist. Insbesondere ausreichend Fugenmörtel – kalkulieren Sie lieber etwas mehr ein, damit es nicht mittendrin knapp wird. Wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, können Sie mit dem Verfugen beginnen.
Nun geht es ans Eingemachte: die Fugen werden gefüllt. Arbeiten Sie möglichst zügig, aber sorgfältig, denn Fugenmörtel hat nur eine begrenzte Verarbeitungszeit (je nach Produkt ca. 30-60 Minuten, bei Schnellfugen kürzer). Bei größeren Flächen empfiehlt es sich, abschnittsweise zu arbeiten, um zu vermeiden, dass die Masse an einer Stelle schon antrocknet, während Sie an anderer noch beschäftigt sind. Die folgenden Schritte zeigen, wie Sie systematisch und erfolgreich Fliesen verfugen:
Lesen Sie zuerst die Anleitung auf der Verpackung Ihres Fugenmörtels. Darin ist das Mischungsverhältnis von Pulver zu Wasser angegeben. Geben Sie zunächst die benötigte Menge kaltes, sauberes Wasser in den Eimer. Dann streuen Sie unter ständigem Rühren das Fugenpulver langsam ein. Nutzen Sie idealerweise einen Rührquirl auf der Bohrmaschine bei niedriger Drehzahl. Wichtig: Nicht zu schnell rühren, damit nicht übermäßig Luftblasen untergemischt werden. Rühren Sie so lange, bis eine homogene, klumpenfreie Masse entsteht.
Die Konsistenz der Fugenmasse ist entscheidend: Für Wandfliesen mischt man sie meist etwas cremiger/fester an, damit sie in den senkrechten Fugen hält und nicht herausläuft. Für Bodenfliesen kann sie etwas flüssiger sein, etwa wie dickflüssiger Brei, da sie durch die Schwerkraft ohnehin in den Fugen bleibt. Orientieren Sie sich am besten an den Empfehlungen des Herstellers. Ein guter Test: Die Masse sollte nicht einfach vom Werkzeug fließen, wenn Sie den Spachtel hochheben, sondern gerade so streichfähig sein.
Lassen Sie die angemischte Fugenmasse ein paar Minuten reifezeit ruhen (falls in der Anleitung angegeben), damit sich alle Bestandteile vollsaugen. Rühren Sie dann noch einmal kurz durch. Nun ist die Fugenmasse einsatzbereit.
Jetzt kommt der eigentliche Verfugungsvorgang. Nehmen Sie mit dem Gummi-Fugenbrett oder Fugenspachtel etwas Fugenmasse auf und setzen Sie sie auf die Fliesenoberfläche. Arbeiten Sie abschnittsweise, z.B. jeweils 1–2 m². Verteilen Sie die Fugenmasse mit dem Fugenbrett diagonal über die Fliesen, sodass die Masse in die Fugen gedrückt wird. Warum diagonal? Dadurch vermeiden Sie, die Masse gleich wieder aus den Fugen herauszuschieben – bei diagonalem Zug bleibt sie besser in den Fugen.
Halten Sie das Fugenbrett dabei in einem leichten Winkel (etwa 30°) zur Fliese, nicht flach anliegend. So bekommen Sie genügend Druck in die Fuge, ohne das Brett abzustoppen.
Ziehen Sie mehrmals über jede Fuge, bis wirklich jeder Spalt komplett gefüllt ist. Die Fugenmasse sollte die Fuge vollständig ausfüllen und gut an den Fliesenflanken haften. Achten Sie darauf, keine Lufteinschlüsse zu hinterlassen. Überschüssige Masse schieben Sie einfach weiter zur nächsten Fuge. Zwischendurch können Sie mit dem Spachtel überschüssiges Material wieder in den Eimer zurückgeben.
Für Ecken und schwierige Stellen: Nutzen Sie hier einen kleineren Fugspachtel oder auch die Finger (mit Handschuhen), um Masse in schmale Fugen oder an Kanten einzubringen. In Innenecken, die später mit Silikon verfugt werden sollen, können Sie die Zementfuge entweder ganz frei lassen oder nur leicht überspachteln und später wieder etwas auskratzen, damit Platz für das Silikon bleibt.
Arbeiten Sie Fläche für Fläche ab. Bei großen Bodenflächen lohnt es sich, nicht zu viel auf einmal aufzutragen (max. ein paar Quadratmeter), da hier die Masse schneller anzieht. Auf dem Boden kann man auch die Methode anwenden, die Fugenmasse sehr flüssig anzurühren und auf die Fliesen zu gießen, um sie dann mit einem Gummiabzieher in die Fugen zu treiben.
Diese Technik wird aber eher bei speziellen Epoxid- oder Fließfugen angewendet. Für normale Anwendungen reicht das Aufspachteln.
Wenn alle Fugen gefüllt sind, ziehen Sie zum Abschluss das Gummibrett nochmals schräg über die Fliesen, um möglichst viel Überschuss abzuziehen. Jetzt sollten die Fugen etwas ruhen, damit der Mörtel anfängt abzubinden (anzusteifen). Aber Achtung: Lassen Sie die Fugenmasse nicht vollständig austrocknen, bevor Sie mit dem Reinigen beginnen! Der richtige Zeitpunkt fürs Abwaschen ist gekommen, sobald die Fugenmasse in den Fugen anzieht, aber an der Oberfläche der Fliesen noch nicht hart ist.
Nach kurzer Wartezeit – je nach Produkt vielleicht 5-15 Minuten, siehe Packungsangaben – beginnen Sie mit dem Abwaschen der Fliesen. Test: Berühren Sie die Fuge leicht. Sie sollte nicht mehr flüssig sein, sondern schon leicht fest, aber noch feucht. Ein hilfreicher Anhaltspunkt ist die sogenannte Glanzprobe: Sobald der anfänglich feuchte Glanz der Fugenmasse matter wird und ein leichter Schleier entsteht, ist der richtige Moment zum Reinigen gekommen.
Ist die Fuge noch glänzend nass, wartet man noch einen Moment; ist sie schon weiß-trocken, haben Sie zu lange gewartet.
Nehmen Sie nun das Schwammbrett oder einen großen Schwamm zur Hand. Feuchten Sie es mit sauberem Wasser an (nicht triefend nass, nur gut feucht) und wischen Sie die Fliesen diagonal zur Fugenrichtung ab.
Arbeiten Sie mit sanftem Druck: Ziel ist, die überschüssige Masse von der Fliesenoberfläche zu entfernen, ohne die Fugen wieder auszuwaschen. Spülen Sie den Schwamm sehr häufig im zweiten Eimer mit Wasser aus und drücken Sie ihn gut aus, damit Sie nicht nur die Masse verteilen. Wechseln Sie das Wischwasser regelmäßig, sobald es trüb wird.
Beginnen Sie nicht zu früh mit dem Wischen, da Sie sonst die Fugen teilausräumen könnten. Sollten Sie doch versehentlich irgendwo Material aus einer Fuge gewischt haben, bringen Sie sofort frische Fugenmasse ein und lassen Sie diese wieder anziehen.
Nach dieser ersten Reinigungsrunde werden die Fliesen zwar sauberer aussehen, aber es bleibt meist noch ein Zementschleier zurück – ein feiner Film auf den Fliesen, der beim Trocknen der Fugen entsteht. Das ist normal. Lassen Sie den Bereich jetzt erst einmal weiter trocknen, bis der Schleier deutlich sichtbar, aber die Fugenmasse in den Fugen schon recht fest ist (das kann je nach Klima 30 Minuten bis 2 Stunden nach dem Verfugen sein).
Ist die Fugenmasse ausreichend ausgehärtet (fest, aber noch nicht tagelang getrocknet), erfolgt die Feinreinigung. Nehmen Sie ein weiches, fusselfreies Tuch oder Schwamm und wischen Sie die Fliesenoberfläche nochmals gründlich ab, um den letzten Schleier zu entfernen. Hartnäckige Rückstände kann man mit einem speziellen Zementschleierentferner (Reiniger auf Säurebasis, vorsichtig anwenden und nicht auf Marmor/Naturstein!) behandeln. Oft genügt jedoch warmes Wasser mit etwas Essig oder ein neutraler Reiniger, sofern man nicht zu lange gewartet hat. Trocknen Sie die Fliesen anschließend mit einem trockenen Tuch nach – jetzt sollten sie wieder sauber strahlen.
Kontrollieren Sie alle Fugen: Sie sollten voll und ohne Lücken gefüllt sein, überall gleichmäßig. Kleinere Unregelmäßigkeiten an der Oberfläche lassen sich manchmal mit dem feuchten Schwamm durch leichtes Nachformen beheben, solange der Mörtel noch nicht vollständig hart ist. Gegebenenfalls können Sie auch vorsichtig mit dem Finger (in Einmalhandschuh) über die frische Fuge ziehen, um sie zu glätten.
Lassen Sie die frisch verfugten Flächen nun ruhig trocknen. Vermeiden Sie es, die Fläche in den nächsten 24 Stunden stark zu belasten oder nass zu machen. Die vollständige Erhärtung zementärer Fugen dauert meist einige Tage. Wenn der Hersteller beispielsweise angibt, dass die Fuge nach 24 Stunden begehbar ist, heißt das nicht, dass sie schon ihre Endfestigkeit erreicht hat – geben Sie dem Material Zeit. Insbesondere bevor Sie einen frisch verfugten Duschbereich wieder voll der Nässe aussetzen, sollten 2–3 Tage vergangen sein, damit alles durchgehärtet ist.
Neben den mit Mörtel verfugten Bereichen gibt es bei Fliesen immer auch elastische Fugen, meist aus Silikon. Typische Stellen sind Wandecken, Boden-Wand-Anschlüsse, Randfugen entlang von Badewannen oder Duschwannen und großflächige Bodenbeläge, die Dehnungsfugen benötigen. In diesen Fugen darf kein starrer Mörtel eingesetzt werden, da hier Bewegungen auftreten (Gebäudedehnung, Temperaturwechsel) – Silikon bleibt flexibel und kann diese Bewegungen aufnehmen, ohne zu reißen.
Das Ziehen einer Silikonfuge erfolgt üblicherweise nach dem Verfugen mit Mörtel, sobald dieser ausgehärtet und trocken ist. Beispielsweise verfugt man zuerst die Wandflächen mit Fugenmörtel und lässt die Ecken frei; dann, ein bis zwei Tage später, wird in den Ecken Silikon eingebracht.
So gehen Sie beim Silikonieren vor: Stellen Sie sicher, dass die Fuge sauber und trocken ist. Entfernen Sie eventuelle Mörtelreste oder Staub aus der Dehnungsfuge. Tipp: Für breite Dehnungsfugen verwendet man oft einen Hinterfüllstreifen aus Schaumstoff (Rundschnur), den man in die Fuge drückt. Dieser sorgt dafür, dass das Silikon nur an den Flanken haftet und nicht am Untergrund – so bleibt die Fuge optimal dehnfähig und man spart Material. Außerdem definiert die Schaumschnur die Tiefe der Silikonfuge (etwa 5–10 mm Dicke sind üblich).
Kleben Sie nun die Fliesenränder links und rechts der Fuge mit Malerkrepp sauber ab, um überschüssiges Silikon auf den Fliesen zu vermeiden und eine perfekt gerade Fugenkante zu erzielen. Schneiden Sie die Spitze der Silikonkartusche schräg ab, entsprechend der gewünschten Fugenbreite (etwas weniger als Fugenbreite, das Silikon quillt beim Glätten noch etwas auseinander). Setzen Sie die Kartusche in die Pistole ein.
Unter gleichmäßigem Druck spritzen Sie das Silikon in die Fuge ein. Achten Sie darauf, durchgehend zu arbeiten: Es sollte eine geschlossene Silikonraupe in der Fuge entstehen, ohne Lücken. Lieber etwas mehr Silikon in die Fuge geben, als zu wenig – das überschüssige Material wird ohnehin abgezogen.
Sofort im Anschluss nehmen Sie ein Glättwerkzeug (z.B. ein spezielles Fugenglätter-Gummi oder auch einfach einen mit Spülmittellösung befeuchteten Finger) zur Hand. Tragen Sie zuvor etwas Glättmittel oder Seifenlauge auf die Fuge auf – entweder mit einer Sprühflasche oder indem Sie das Werkzeug/Finger eintauchen. Das Glättmittel sorgt dafür, dass überschüssiges Silikon nicht kleben bleibt, während Sie es abziehen. Nun ziehen Sie die Fuge in einem Zug glatt: Setzen Sie den Fugenglätter am Anfang der Fuge an und ziehen Sie ihn gleichmäßig über die Fuge, überschüssiges Silikon wird dabei auf dem Kreppband oder Werkzeug abgetragen. Wischen Sie das Abgezogene vom Werkzeug ab und wiederholen Sie den Glättvorgang ggf. bis eine schöne gleichmäßige Fuge entsteht.
Ziehen Sie anschließend sofort das Abklebeband ab (bevor das Silikon eine Haut bildet). Dabei werden die seitlichen Silikonreste mit entfernt und es bleibt eine saubere Kante. Falls irgendwo noch ein kleiner „Faden“ Silikon steht, können Sie diesen mit dem Glätter oder einem Messer vorsichtig entfernen. Lassen Sie die frischen Silikonfugen nun unberührt aushärten – je nach Produkt bildet sich in wenigen Minuten eine Haut, durchgehärtet ist es meist in 24 Stunden.
Hinweis: Im Sanitärbereich (Bad, Dusche) immer spezielles Sanitärsilikon mit Fungizid (Schimmelschutz) verwenden. Silikonfugen halten einige Jahre, müssen aber bei Verschleiß oder Schimmelbefall erneuert werden. Acrylfugen kommen im Nassbereich nicht zum Einsatz, sie sind eher für überstreichbare Anschlussfugen an Wand/Decke geeignet.
Auch geübten Heimwerkern können beim Verfugen Fehler unterlaufen, die Optik und Haltbarkeit der Fugen beeinträchtigen. Hier sind einige häufige Fehler und Tipps, wie sie sich vermeiden lassen:
Häufiger Fehler | Mögliche Folgen & Probleme | Vermeidung / Lösung |
---|---|---|
Falsche Fugenbreite gewählt | Zu breite Fugen wirken unsauber, zu schmale Fugen können den unvermeidlichen Bautoleranzen der Fliesen nicht gerecht werden. Außerdem können bei sehr dünnen Fugen Spannungen kaum aufgenommen werden. | Bereits bei der Planung passende Fugenbreite wählen. Orientieren Sie sich an Empfehlungen des Fliesenherstellers und der DIN. Nutzen Sie Fliesenkreuze oder -keile für gleichmäßige Abstände. |
Ungeeigneter Fugenmörtel | Wird ein falsches Fugenmaterial verwendet (z.B. nicht flexible Fuge auf schwingendem Untergrund, oder normaler Mörtel in einer ständig nassen Umgebung), kann dies zu Rissen, Undichtigkeiten oder Verfärbungen führen. Feuchtigkeit könnte unter die Fliese dringen oder die Fuge bricht heraus. | Fugenmörtel immer dem Anwendungsfall anpassen: Für Böden und Außenbereiche Flexfuge nutzen, in Dusche evtl. Epoxidharzfuge, etc. Im Zweifel im Fachhandel beraten lassen. Niemals billigen Mörtel zweckentfremden. |
Ungenügende Untergrundvorbereitung | Schmutz oder Klebereste in den Fugen verhindern die Haftung der Fugenmasse. Folge: Die Fuge hält schlecht und kann sich später lösen. Auch feuchte Untergründe stören die Abbindezeit. | Vor dem Verfugen gründlich reinigen und trocknen lassen. Alle Kleberreste auskratzen, Staub wegsaugen. Nur auf trockenem Untergrund verfugen, sonst kann der Mörtel nicht richtig abbinden. |
Fugen nicht voll ausgefüllt | Bleiben Hohlräume oder Lücken in der Fuge, sind dort Schwachstellen. Wasser kann eindringen und den Unterbau schädigen, oder die Fuge bricht bei Belastung ein. Optisch sieht eine ungleichmäßige Fuge unschön aus. | Beim Verfugen sorgfältig arbeiten: mehrmals diagonal abziehen, bis wirklich jede Fuge voll ist. Im Zweifel nach dem Antrocknen nochmals über die Löcher spachteln, bevor gereinigt wird. |
Zu frühes oder zu spätes Abwaschen | Wenn Sie die Fliesen zu früh reinigen, waschen Sie die Fugen wieder teilweise aus – die Fuge wird ungleichmäßig oder zu tief. Reinigen Sie zu spät, brennt die überschüssige Masse an und es bleiben Zementschleier oder Krusten, die nur schwer zu entfernen sind. | Timing beachten: Warten, bis die Fuge matt anzuziehen beginnt (Fingerprobe), dann sofort reinigen. Nicht zu lange warten – Reste spätestens nach wenigen Stunden komplett entfernen. Eventuell in Abschnitten arbeiten, um das Timing zu erleichtern. |
Schlechte Nachreinigung | Bleibt Schleier auf den Fliesen, wirkt die Oberfläche stumpf. Insbesondere dunkle Fliesen bekommen einen Grauhauch. Außerdem können Mörtelreste an den Fugenrändern festtrocknen. | Sorgfältig nachreinigen: erst mit feuchtem Schwamm, dann mit sauberem Tuch polieren. Zur Not einen Zementschleierentferner verwenden (Herstellerangaben beachten). Immer kontrollieren, ob Fliesen sauber sind, bevor man die Arbeit als erledigt abhakt. |
Fehler bei Silikonfugen | Typische Patzer: Zu wenig Silikon, sodass die Fuge nicht abdichtet; ungleichmäßiges Abziehen führt zu hässlicher Optik; oder man vergisst die Dehnfuge ganz – dann entstehen später Risse in den Fliesen oder angrenzenden Bauteilen. Auch häufig: mangelnde Haftung, weil auf nassem Untergrund verfugt, oder Verschmutzung. | Silikonfugen mit Sorgfalt ziehen: Untergrund absolut trocken und sauber, Haftflächen evtl. mit Alkohol reinigen. Genug Silikon einbringen (Fuge voll ausfüllen) und in einem Zug glatt abziehen. Fuge nicht zu schmal bemessen. Bei sichtbaren Fehlstellen: frisches Silikon sofort erneut drüber ziehen. Dehnfugen nie mit starrem Mörtel schließen – Silikon ist hier Pflicht. |
Wie man sieht, lassen sich die meisten Fehler durch gründende Vorbereitung, passendes Material und das Einhalten der Verarbeitungshinweise vermeiden. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für jeden Arbeitsschritt und achten Sie auf die Details – dann werden Ihre Fugen sowohl optisch ansprechend als auch dauerhaft haltbar.
Sind die Fliesen fertig verfugt, stellt sich die Frage nach der richtigen Pflege, damit das Ergebnis lange schön bleibt. Frisch verfugte Bereiche sollten in den ersten Tagen geschont werden. Wischen Sie sie nur mit klarem Wasser, um Reststaub zu entfernen, aber verwenden Sie noch keine aggressiven Reiniger in den ersten 1–2 Wochen, damit die Fugenmörtel vollständig durchhärten kann.
In der Folge ist eine regelmäßige Reinigung der Fugen sinnvoll, um Verschmutzungen und vor allem Schimmelbildung (in Nassräumen) vorzubeugen. Zementfugen reinigen Sie am besten mit milden Reinigungsmitteln: Neutralreiniger oder Schmierseife reichen im Alltag aus. Bei Bedarf können Hausmittel wie Essig oder ein wenig Zitronensäure helfen, Kalkablagerungen und Schimmel zu entfernen – aber Vorsicht: Säure greift Zement bei langer Einwirkzeit an, daher nur verdünnt und kurz anwenden. Spezielle Fugenbürsten oder ein Dampfreiniger können helfen, tiefsitzenden Schmutz aus den Fugen zu lösen. Verwenden Sie keine metallischen Bürsten, um den Fugenmörtel nicht zu verkratzen.
Silikonfugen sollten trocken gehalten und regelmäßig gereinigt werden, damit sich kein Schimmel festsetzt. Nach dem Duschen empfiehlt es sich z.B., die Fliesen und Fugen mit einem Abzieher abzuziehen und kurz trocken zu wischen – so bleibt kaum Nährboden für Pilze. Bei beginnendem Schimmelbefall gibt es spezielle Schimmelentferner (z.B. auf Chlorbasis oder Alkoholbasis), die man einsprühen und abwaschen kann. Greifen diese Maßnahmen nicht mehr, hilft nur Erneuern der Silikonfuge.
Um die Langlebigkeit von Zementfugen zu erhöhen, kann eine Imprägnierung sinnvoll sein, besonders bei hellen Fugen oder in stark schmutzbelasteten Bereichen (Küche, Dusche). Es gibt Fugen-Imprägniermittel, die nach der Aushärtung aufgetragen werden. Sie dringen in die Fuge ein und bilden eine unsichtbare, wasser- und ölabweisende Schicht, sodass Schmutz gar nicht erst einziehen kann.
Solche Imprägnierungen können Verfärbungen und Schimmel deutlich reduzieren und erleichtern die Reinigung, da Wasser abperlt. Wichtig: Fugen vor dem Imprägnieren gründlich reinigen und trocknen lassen, und überschüssiges Imprägniermittel von den Fliesen abwischen, damit keine Flecken bleiben.
Generell gilt: gut gepflegte Fugen halten Jahrzehnte. Sollten im Lauf der Jahre einzelne Fugen rissig oder unansehnlich werden, kann man sie mit etwas Aufwand erneuern, ohne gleich alle Fliesen herauszureißen. Spezielle Fugenkratzer oder Multifunktionsgeräte ermöglichen es, alten Mörtel auszukratzen und neu zu verfugen. So erstrahlt das Fliesenbild wieder wie neu.
Fliesen verfugen erfordert zwar etwas Geduld und Sorgfalt, doch mit dem richtigen Know-how gelingt es auch Heimwerkern, professionelle Ergebnisse zu erzielen. Die Fugen erfüllen wichtige Funktionen für die Haltbarkeit und Hygiene des Belags – schenken Sie ihnen also die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Von der Auswahl des geeigneten Fugenmörtels über die gründliche Vorbereitung, das gekonnte Verfugen Schritt für Schritt bis hin zu elastischen Silikonfugen und der späteren Pflege haben Sie nun einen umfassenden Leitfaden zur Hand. So ausgestattet, geben Sie Ihren Fliesen den sprichwörtlich letzten Schliff und sorgen dafür, dass Wände und Böden nicht nur schön aussehen, sondern auch auf lange Sicht intakt bleiben. Viel Erfolg bei Ihrem Projekt!
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